Weißabgleich bei Buntglasfenstern

Immobilienfoto: korrekter Weißabgleich für die Buntglasscheibe, Rahmen, Tapete und Kacheln in "nikotingelb"
Korrekter Weißabgleich für das Buntglas

Buntglasfenster kennt man normalerweise aus Kirchen und viele haben z.B. im Urlaub beim Besuch eines berühmten Doms oder einer Kathedrale Kirchenfenster fotografiert. Das ist im allgemeinen problemlos.

 

Schwieriger kann dies unter Umständen in Wohnhäusern sein. Ich hatte vor einiger Zeit den Auftrag, für einen Makler ein Haus mit denkmalgeschützten Buntglasfenstern zu fotografieren. Diese sollten unter anderem einzeln abgebildet werden. Das abgebildete Fenster wurde mit automatischem Weißabgleich fotografiert. Das Ergebnis ist die korrekte Abbildung des Glases. Rahmen und Fensteröffnung werden jedoch in einem unschönen Nikotingelb abgebildet, was nicht den gesehenen Gegebenheiten entspricht.

 

Wie kommt es dazu? Das Fenster lag zum Zeitpunkt der Aufnahme im Schatten, die Sonne stand relativ hoch am Himmel was zu einer recht hohen Farbtemperatur führt. Da das Fenster relativ klein ist, wird der Raum dadurch nur wenig erhellt. Entsprechend sorgt eine Glühbirne für die Beleuchtung des Innenraums. Da diese Lichtquelle eine tiefere Farbtemperatur hat, als die des von außen durch die Scheibe dringende Tageslicht, kommt es zu der wenig attraktiven Farbgebung. Um das zu verhindern, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten:

 

Immobilienfoto: Korrekter Weißabgleich für den Rahmen, Buntglasscheibe und Fensteröffnung sehr violett.
Korrekter Weißabgleich für den Rahmen
  • Der Weißabgleich wird mit Hilfe des weißen Fensterrahmens durchgeführt. Das Ergebnis ist rechts zu sehen. An vielen Stellen um die Scheibe herum ergibt sich ein neutrales Grau. Allerdings gibt es auch Bereiche mit einem blau/violetten Stich. Darüber hinaus entsprechen die Farben der Buntglasscheibe nicht den real empfundenen Gegebenheiten. Grund auch hier die unterschiedlichen Lichtfarben außen und innen.
  • Innen mit Blitz zu arbeiten, der mit ähnlicher Lichtfarbe wie Tageslicht arbeitet, ist schwierig. Eine direkte Ausrichtung des Blitzes auf das Motiv verbietet sich wie häufig wegen zu erwartenden Reflektionen in der Scheibe. Über die Wände indirekt zu blitzen, erweist sich auf Grund der geringen Größe des Raums als eher schwierig.  
  • Das Foto ohne künstliche Lichtquelle zu erstellen, führt zu einem Kirchenfenster ähnlichen Effekt. Die Scheibe ist korrekt abgebildet, Rahmen und Fensteröffnung sind dunkel mit farbigen Flecken, die vom Fenster herrühren. Die Lichtstimmung, die der in einer gotischen Kirche entspricht, wird nicht jeder für sein Wohnhaus als angemessen empfinden, ist also für ein Exposéfoto nicht  zu empfehlen.
  • Bei rechteckiger Formgebung des Fensters könnte man der Herausforderung dadurch begegnen, dass man sich ausschließlich auf die Scheibe konzentriert. Das wurde an anderen Stellen im Haus auch so gemacht, hier ist das wegen der besonderen Form des Fensters wenig zielführend.
Immobilienfoto: Selektiver Weißabgleich. Farben entsprechen dem Seheindruck vor Ort
Selektiver Weißabgleich

Es wurde die folgende Lösung gewählt: Das erste Bild mit dem für die Scheibe korrekten Weißabgleich wurde noch einmal mit einer Farbtemperatur entwickelt, die den die Scheibe umgebenden Bereich so abbildet, wie vor Ort gesehen.

 

Diese beiden Bilder wurden dann so mit einander kombiniert, dass sich ein Foto ergibt, welches die Farben so widerspiegelt, wie sie in der Realität zu sehen sind.

 

Auf diese Art und Weise konnte die Herausforderung recht speziellen Mischlichts gemeistert werden.

 

Ich wünsche Ihnen stets angemessene Antworten auf die Ansprüche, die Immobilienfotografie immer wieder an den Fotografen stellt. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0