In die Enge getrieben

Ein für mich neues Argument gegen den Einsatz eines Stativs wurde mir im Seminar in der letzten Woche genannt: "Mit einem Stativ kommt man nicht in kleine Räumen wie eine Gästetoilette hinein."

 

Ich nutze für Innenaufnahmen wann immer es geht das vorhandene Licht. Das bedeutet, dass ich alleine schon wegen längerer Belichtungszeiten ein Stativ einsetze, auch bei relativ kleinen Räumen. Ein typischer Fall ist abgebildet. Die Tür befindet sich an der kurzen Seite des Raums. Die Kamera kann an dieser Stelle das meiste des Raums erfassen. Stellt man das Stativ zurück, wird der Türrahmen auf dem Bild sichtbar. Schiebt man das Stativ weiter hinein, erscheint weniger des Raums auf dem Bild.

 

Was passiert jedoch, wenn man beispielsweise eine der langen Wände links oder rechts von der Tür abbilden möchte? Man kann zwar das Stativ etwas weiter hinein und zur Seite schieben, aber das hat durchaus seine Grenzen. Noch komplexer scheint es zu werden, wenn sich die Tür an einer langen Seite des Raumes befindet.

 

 

Nun bricht ein Dreibeinstativ nicht auseinander, wenn man nur zwei Beine nutzt und es gegen die Wand oder ein Möbelstück lehnt. Bei dieser Anwendung, die natürlich vorsichtig erfolgen muss, kann man wesentlich mehr vom Raum zeigen als beim Fotografieren aus der Hand, da man dafür hinter der Kamera stehen müsste, wollte man nicht selber auf dem Bild zu sehen sein oder sehr seltsame Verrenkungen machen. Bei einem Stativ ohne Mittelverstrebung wird noch weniger Platz benötigt.

 

Kann man das Stativ immer noch nicht dort platzieren, wo man es eigentlich haben möchte, kann es immer noch als Einbein genutzt werden. In eine Ecke gelehnt kann man den maximalen Bereich des Raumes abbilden. Das unterste Bild zeigt eine Anwendung.

 

Kleine Räume können also kein schlagendes Argument gegen die Nutzung eines Stativ sein. 

 

Es stellt sich allerdings immer wieder die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist,  eine Gästetoilette abzubilden. Gerade Makler, die im gehobenen Bereich unterwegs sind, zeigen dafür selten Verständnis.

 

 

 

Ich als Immobilienfotograf kann mir diese Frage sehr einfach machen. Ich fotografiere für meine Auftraggeber möglichst jeden Raum der Liegenschaft. Der Makler hat dann die Auswahl, welche Bilder er veröffentlichen möchte. 

 

Je kleiner das Objekt, desto wichtiger ist es, auch die Gästetoilette zu zeigen. Zum einen sollte man schon eine Reihe unterschiedlicher Bilder dem Exposé beifügen können. Zum anderen lesen sehr viele Interessenten inzwischen nicht mehr den Text einer Anzeige sondern blättern mit ihrem Smartphon nur noch durch die Fotos. Dann ist ein Raum, der nicht explizit abgebildet wurde, für den Interessenten nicht existent.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auch bei der Abbildung kleinerer Räume. 

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